
„Figürliche Keramik“ in der Galerie Bollhorst
(...)Eine eigene Art von Einsamkeit ist auch in den Arbeiten von Silvia Siemes zu erkennen, im Besonderen in der Reihe der „Haubenfrauen“, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. Diese Figuren stehen in Posen einer absoluten Ruhe oder Kontemplation. Die spärlichen Gesten sind nicht spontan, sondern für eine Ewigkeit geschaffen, von ihren Protagonistinnen sehr sorgfältig geplant und mit stoischer Ruhe langsam und bewusst ausgeführt. Die Figuren muten an, als folgten sie einer Art Aufgabe oder einem Auftrag, den sie mit einer inneren Haltung gelassen erfüllen. Die Kleidung der Figuren ist unauffällig, spartanisch, ganz einem übergeordneten Ziel angepasst. Die Strenge einer selbstauferlegten Ordnung bekommt durch die Hauben der Figuren fast eine religiöse Färbung. Die spärlichen Attribute, die sie den Frauen in die Hand gibt oder ihren Körpern anlegt, haben keinen realen Gebrauchswert, sondern sind eher eine Art „Werkzeug“ zur Erfüllung ihres Auftrags. Den Figuren von Siemes ist eine sehr eigene, nahrhafte Stärke gemeinsam, trotz ihrer Einsamkeit und des zeitweiligen Gefühls einer Isolation. (...)
Die Lust Geschichten zu erzählen ist den vier Künstlern der Ausstellung gemeinsam. Berühren sie sich gestalterisch kaum, so tragen alle den Drang zum Erzählen in sich. Es ist äußerst gehaltvoll der wundersamen Poesie der vier Künstler zu folgen und in ihre Welt einzutauchen. (...)
Ausschnitt aus: NEUE KERAMIK/NEW CERAMICS, 06/2008, Artikel von Frederik Bollhorst zur Ausstellung „Figürliche Keramik“ mit Marianne Eggimann, Michael Flynn, Nathalie Schnider-Lang, Silvia Siemes
Silvia Siemes wurde 1960 in Freiburg geboren. Von 1983 – 1987 besuchte sie die Staatl. Porzellanfachschule Selb. 1987 – 1995 absolvierte sie an der Hochschule für Künste Bremen das Studium der Bildhauerei und wurde Meisterschülerin bei Prof. B.Altenstein. Silvia Siemes lebt und arbeitet in Beuren bei Nürtingen.
