
„Figürliche Keramik“ in der Galerie Bollhorst
(...) Die zumeist weiblichen Figuren von Nathalie Schnider-Lang entstehen in einem spontanen, fließenden Prozeß. Schnider-Lang modelliert mit einem weichen, stark schamottierten Ton. Um ihr bevorzugte Arbeitsmethode zu verdeutlichen, zieht man am besten ihre Serie aus kleinformatigen Figuren zu Rate, die auf Ständern präsentiert werden. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie Schnider-Lang mit nur wenigen, temporeichen Bewegungen ihrer Finger der Figur eine Grundpose, einen Grundcharakter verleiht. Dabei folgt die Künstlerin einem vorherrschenden Gefühl, welches in der Figur eine spontane Umsetzung finden soll. Die Figuren bleiben ständig in einem offenen Prozeß. Die Arbeit entsteht in einem Dialog mit dem Material. Auf diese Art kommt ein reichhaltiger Fundus dieser kleinformatigen Arbeiten zusammen.Die Figuren von Schnider-Lang sind bestimmt von einer sehr feinen Poesie. Die pastelligen Engoben nehmen den Figuren ihr Gewicht, reduzieren ihre „Erdschwere“ und transportieren dafür umsomehr eine leicht weltentrückte, melancholische Gefühlswelt. Ihnen wohnt ein träumerischer, etwas weltverlorener Grundbaß inne. Viele Gesten sind wie bei Michael Flynn durch übertrieben überdehnte Gliedmaßen überhöht, finden sich im Tanz wieder oder scheinen einem Rhythmus zu folgen. Die weißliche Haut der Figuren verleiht ihnen etwas Maskenhaftes, Geschminktes und in ihrem Tun leicht Inszeniertes. Die Figuren von Schnider-Lang, die sie bis in Lebensgröße arbeitet, wirken durch ihre eindrückliche Patina ausgesprochen zeitlos. Fast scheint es, als könnten die Arbeiten aus archäologischen Grabungen stammen. Schnider-Lang simuliert diesen Eindruck, indem sie die Engoben vor dem Brand durch Schleifen teilweise bis auf den rohen Ton zurücknimmt und somit eindrückliche Spuren hinterläßt. Der anschließende Salzbrand verstärkt durch seine Oberflächenwirkung das Gefühl, einem Gegenstand mit Geschichte zu begegnen.(...) Die Lust Geschichten zu erzählen ist den vier Künstlern der Ausstellung gemeinsam. Berühren sie sich gestalterisch kaum, so tragen alle den Drang zum Erzählen in sich. Es ist äußerst gehaltvoll der wundersamen Poesie der vier Künstler zu folgen und in ihre Welt einzutauchen. (...)
Ausschnitt aus: NEUE KERAMIK/NEW CERAMICS, 06/2008, Artikel von Frederik Bollhorst zur Ausstellung „Figürliche Keramik“ mit Marianne Eggimann, Michael Flynn, Nathalie Schnider-Lang, Silvia Siemes
