
Meine Arbeiten erzählen seit längerem vom Körper und Körperlichen. Nichts scheint mir besser dieses Thema zu illustrieren, als das Gefäß - Körper zu sein und körperlich benutzt zu werden.
Meine Gefäße wollen in der Benutzung Gedanken und Empfindungen über den eignen Körper initiieren. Das eigene Außen fühlbar, das eigene Innen vorstellbar machen. Fragen aufwerfen: Wo beginnt das Innen, wo endet das Außen. Was mögen wir an Körpern sehen, was nicht. Wer urteilt darüber? Das Auge? Die Hand? Und wem ist mehr zu trauen?
Griffbecher
Es gibt sie für die rechte und die linke Hand.
Es gibt sie groß und klein.
Rechts also den kleinen Becher mit dem Wein, links den großen Becher mit klarem Wasser?
Beim Trinken kann man innen sehen, wie das Greifen funktioniert.
Die Flüssigkeit umspielt die körperlichen Beulen, in jeder Neigung passt sich ihre Oberfläche der Innenform neu an.
Beim Trinken und Beobachten des Inneren des Gefäßes kann man das eigene körperliche Innen empfinden.
Körpergefässe
Die Natur von Porzellan mit seinen Eigenschaften scheint mir danach zu verlangen, Gefäss zu werden; Hülle für Inhalt zu sein und von Haut zu erzählen.
Zu der Serie „Körpergefäße“ gehören Gefässe zwischen flacher Schale und hohem Becher. Ihre Formen sind körperlich. Der Hand strecken sich pralle Wölbungen entgegen, dort wo sich zwei Wölbungen treffen, finden die Fingerspitzen Falten und Beulen, das Innen ist feuchtglänzend.
Die unglasierte, feingeschliffene Porzellanoberfläche außen suggeriert Seidigkeit von Haut, ein warmes Getränk darin Körperwärme.
Das Entdecken von Körper geschieht parallel zu dem lebenserhaltenden Prozess der Nahrungsaufnahme.
Doppelwandgefäße
Der mir wichtige Schritt von meiner letzten Serie der Körpergefäße hin zu den Doppelwandgefäßen half, das Körperliche der Gefäße zu steigern, indem Spannung entsteht zwischen Innen und Außen.
Immer noch der Funktion verhaftet, haben die Doppelwandgefäße mehr oder weniger Handgröße und sind als Aufbewahrungs- oder Darreichungsschalen benutzbar.
Warmes bleibt länger warm, die Hände können die gespeicherte Wärme spüren.
Die Formen und Falten lassen übers Körperliche sinnieren.
Kaja Witt
