
Ein Gefäß ist für mich die Summe verschiedener, teils widersprüchlicher Gesten – spontaner und durchdachter, addierender und subtrahierender, agierender und reagierender. Der Arbeitsprozess ist dann beendet, wenn sich zwischen diesen jeweiligen Polen eine Balance einstellt. So entstehen Keramiken im Grenzbereich von Objekt, Gefäß und Malerei. Meine Porzellanvasen sind vorrangig Bildträger. Eine einfache Form begrenzt eine gestisch-expressive, mal leisere mal lautere Malerei. Die schlichte Form unterstützt und ermöglicht die Dynamik der Farbe. Sie erlaubt ein Spektrum verschiedener Töne bis hin zur Dissonanz auszuloten. Eine andere Gruppe meiner Arbeiten beschäftigt sich vordergründig mit formalen Experimenten, auch hier ausgehend vom Grundthema Gefäß. Im Gegensatz zu den Bildvasen ist hier die eigentliche Funktionalität nicht zwingend. Gefäß steht hier für Volumen, bzw. die ein Volumen beschreibende, andeutende oder definierende Hülle. Das Spiel mit vertrauten Formen und spezifischen kulturellen Kontexten ist unterschwellig immer vorhanden und soll auch gar nicht unterdrückt werden. Bruchstücke von Lesbarkeit im Sinne der Einordnung, collagenhafte Zugeständnisse an Funktion, sind somit immer vorhanden, können aber ins Leere laufen, sich gegenseitig negieren, in der Summe aber doch zu neuen Assoziationsräumen hinführen.Die Lust am Spiel und der Irritation ist nicht zu leugnen. Juliane Herden, November 2010
